Geschichten

Pride – Der Beschützer (Märchen)

von Lilith/Celina Marleen

Es gab einst eine wunderschöne Prinzessin, mit langem, ebenholzschwarzem Haar, mitternachtsblauen Augen und elfenbeinfarbener Haut. Die Prinzessin war so beliebt, dass viele junge Knaben, Ritter, und Prinzen um sie warben. Zu ihrem 18. Geburtstag veranstaltete die Prinzessin einen großen Ball, auf dem sie sich ihren zukünftigen Gemahl erwählen wollte. Besonders um ihre Gunst bettelte ein älterer Fürst, der jedoch keinen guten Ruf genoss. Er hatte keine Achtung vor Tieren und Pflanzen. Er umschwärmte die Prinzessin mit Worten und Geschenken, doch diese ließ sich nicht überzeugen. Sie hatte die Fähigkeit, Menschen gut einzuschätzen und erkannte in den Augen des Fürsten, dass er kein guter Mensch war. Die Prinzessin selbst interessierte sich für einen jungen Prinzen, der sie zurückhaltend beobachtete. Seine Haare waren aschblond, und er stand bei einem goldenen Käfig, in dem einer der liebsten Wellensittiche der Prinzessin lebte. So kamen die beiden ins Gespräch und am Ende des Abends gaben sie ihre Verlobung bekannt.

Viele Jahre vergingen. Sie wurden ein glückliches Königspaar, die gerecht und klug regierten und vom ganzen Volk geachtet und geliebt wurden. Die Königin brachte eine ebenso wunderschöne Tochter zur Welt, wie sie selbst war. Sie hatte ihr dunkles Haar und die mitternachtsblauen Augen geerbt, und war genauso beliebt wie das Königspaar. Die Königin gab ihrer Tochter den Namen Sophia. Doch der dunkle Fürst hatte Rache geschworen. Er verschanzte sich in seiner finsteren Burg und schmiedete einen bösen Plan. Zum 18. Geburtstag von Sophia wollte er sich holen, was ihm vor so vielen Jahren verwehrt blieb. Also engagierte er einen der stärksten und am meisten gefürchteten Ritter.

Am Morgen des 18. Geburtstags der Prinzessin bekam das Königspaar eine dringende Nachricht einer Ihrer Verwandten:
Liebes Königspaar,
ich schreibe Ihnen mit der Bitte um eilige Hilfe. Mein Landsitz und mein Leben werden von einem düsteren Mann bedroht. Ich weiß mir keinen anderen Rat, als euch um Hilfe zu bieten.
Hochachtungsvoll, Lady Wolghfred
Kühn und hilfsbereit wie das Königspaar war, eilte es mit der besten Leibgarde zu Lady Wolghfreds Landsitz. Die Königin versprach ihrer Tochter, bald wieder da zu sein. Sie sollte im Schloss auf ihre Rückkehr warten.
Die Prinzessin derweil vertrieb sich die Zeit bei ihren Tieren und Pflanzen im Wintergarten, die sie täglich besuchte. Sie sprach mit Ihnen und legte bei der Pflege selbst Hand an.
Sie ahnte nicht, dass sie beobachtet wurde. Der schwarze Ritter des Fürsten war auf dem Weg zum Wintergarten, denn es war allgemein bekannt, das sie sich dort täglich einige Zeit aufhielt. Als Sophia den Wintergarten verlassen wollte, um zum Mittagessen zu eilen, trat ihr stiller Beobachter aus dem Gestrüpp hervor. Es war ein grauer Wolf mit eisblauen Augen, der sie durchdringend anblickte. Die Prinzessin bekam solch einen Schrecken, das sie zurück in den Wintergarten eilte, um sich dort in Sicherheit zu bringen. Der Wolf trat vor die Tür und ließ sich vor ihr nieder, als wollte er dort wachen.
Sophia war nervös vor Angst. Was wollte der Wolf nur hier? Es war zwar bekannt, dass sich einige Wölfe in der Gegend herumtrieben, doch nie kamen sie auch nur in die Nähe der Menschen. Vielleicht hatte dieser Wolf Tollwut? In ihrer Angst merkte sie nicht, dass der böse Ritter sein Ziel erreicht hatte. Er stieg vor dem Wintergarten vom Pferd und machte sich bereit, die ihm aufgetragene Aufgabe zu erfüllen:
Sophia zu entführen und zum Fürsten zu bringen. Er ging mit sicheren Schritten zur Tür, als plötzlich der Wolf sich wieder regte. Sophia beobachtete, wie der Wolf sich aufrichtete, in Angriffstellung ging und zu knurren begann. Das Pferd des Ritters bekam einen Schrecken und suchte das Weite. Der Ritter erschrak ebenfalls – zog jedoch schon im nächsten Moment sein Schwert und wollte den Wolf zuleibe rücken. Er erhob das Schwert und ließ es auf den Wolf hernieder sausen – in diesem Moment sprang ein ganzes Rudel Wölfe aus den umliegenden Dickicht und streckte den Ritter selbst nieder. Er war zwar als stärkster Ritter bekannt, doch gegen einen solchen Hinterhalt so vieler Wölfe hatte auch er keine Chance. Geschlagen lag er am Boden und regte sich nicht mehr.
Inzwischen hatten auch die Diener im Schloss den Radau bemerkt, und kamen mit einer Leibgarde angerückt. Die Wölfe zogen sich zurück – nur einer blieb. Der erste Wolf mit den eisblauen Augen. Er war verwundet von des Ritters Schwert. Erst in diesem Moment erkannte Sophia, die das ganze still und mit Schrecken beobachtet hatte, dass der Wolf ihr keineswegs etwas tun wollte. Er war kein Angreifer – er war ihr Beschützer! Und so kam sie heraus aus dem Wintergarten und kniete sich vor dem Wolf nieder. Sie zerriss ihr Kleid ein Stück, um dem Wolf einen Verband für seine Wunde zu machen und ließ ihn, trotz aller Einwände der Dienerschaft, zum Schloss bringen.
Indes war auch das Königspaar zurückgekehrt. Sie berichteten, dass es Lady Wolghfred wunderbar ginge, und sie nie einen solchen Brief geschrieben hatte. Als Sophia von ihren Erlebnissen berichtete, schloss die Königin daraus, dass der Brief ein Ablenkungsmanöver gewesen sein musste. Sie wusste sofort, dass der alte Fürst hinter all dem steckte, und schickte Männer aus, um den Fürst wegen seiner schändlichen Tat festzunehmen.
Als die Männer ohne ihn wiederkamen, befürchtete die Königin erst, er sei entkommen. Doch dann wurde ihr berichtet, dass ein umherziehendes Wolfsrudel ihn wohl überfallen haben muss. Man fand seine Leiche von Wolfbissen entstellt – doch die anderen Bewohner wurden nicht von einem einzigen Wolf belästigt.

Sophia pflegte ihren Beschützer, den zu aller Verwunderung handzahmen Wolf gesund und gab ihn den Namen „Pride“. Er lebte fortan im Schloss, immer an Sophia Seite, und beschütze sie ihr Leben lang. 

Ist mir gerade so eingefallen. Eigentlich schreibe ich sonst keine Märchen… aber warum eigentlich nicht *g*

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